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Erfahrungen mit Lethrinops sp. "Rainbow Tanzania"

veröffentlicht in den DCG-Informationen 37, April 2006

Die kleinbleibenden Arten der überwiegend über Sandgrund vorkommenden Cichliden der Gattung Lethrinops standen schon lange auf meiner aquaristischen Wunschliste. Leider hatte ich aber bis dato weder den Platz diesen Fischen ein Becken einzurichten noch die Gelegenheit, eine der wenigen aquaristisch verbreiteten Arten zu erwerben.
Bei meiner Suche nach Informationen über Lehrinops stieß ich im Internet auf die Seite des DCG-Mitglieds Steffen Lambrix, der seit einigen Jahren seltene Malawi-Cichliden erfolgreich vermehrt, darunter auch einige Lethrinops-Arten. Der Kontakt war schnell hergestellt und Herr Lambrix bot mir eine Gruppe von 4/4 Wildfang-Nachzuchten von Lethrinops sp. "Rainbow Tanzania" an. Diese Art war 2003 vermutlich einmalig unter dem Namen Lethrinops sp. "Blood Spot" nach Deutschland importiert worden. Möglicherweise handelt es sich um eine eng mit dem vorher bereits sporadisch importierten Lethrinops sp. "Dwarf Mbasi Creek" verwandte Art.

Lethrinops
Dominantes Männchen von Lethrinops "Rainbow Tanzania"

Mit dem erfolgten Ausbau meiner kleinen Aquarienanlage war die Entscheidung den Tieren ein Artbecken zur Verfügung zu stellen schnell gefallen und im Rahmen einer größeren Fisch-Einkauftour holte ich die Lethrinops ab.
Das vorbereitete Becken hatte eine Grundfläche von 150x60 Zentimeter, die Einrichtung bestand überwiegend aus freier Sandfläche und einigen wenigen großen Steinen an den Seiten. In den ersten Tagen begannen die Tiere das Becken zu erkunden, wobei sie immer dicht gedrängt zusammen schwammen. Sehr selten löste sich ein Tier von der Gruppe, nur um bei einer Bewegung vor dem Becken schnell wieder in den Verband zurückzukehren.
Alle acht Lethrinops präsentierten sich in dieser Phase als "graue Mäuse". Die helle Grundfärbung wurde von einem leichten Blauschimmer auf den Seiten überdeckt. Die Männchen unterschieden sich lediglich anhand des deutlich vorhandenen roten Saumes der Rücken- und Afterflosse sowie der größeren Anzahl der Eiflecken in der Afterflosse von den Weibchen. Die Männchen hatten zu diesem Zeitpunkt eine Gesamtlänge von acht bis zehn Zentimeter, die Weibchen waren mit sechs bis acht Zentimeter etwas kleiner.
Zu meiner Enttäuschung behielten die Lethrinops diese unscheinbare Färbung über die nächsten Wochen bei. Zwar wurden sie etwas mutiger und kamen zur Fütterungszeit gierig zur Wasseroberfläche. Jedoch schreckten sie immer noch zusammen wenn ich oder jemand anders den Raum betrat und benötigten anschließend einige Minuten, ehe sie sich wieder hinter den Steinen hervortrauten. Besucher, denen ich stolz meine Neuankömmlinge präsentierte, konnten angesichts der blassen Fische meine Euphorie nicht wirklich teilen.
Nach etwa 2-3 Monaten entschied ich, dass die Eingewöhnungszeit um war und beschloss, ein Trio 1/2 Aulonocara baenschi "Benga" aus einem anderen Becken zu den Lethrinops zu gesellen. Ich hoffte, dass die Lethrinops-Männchen durch die neue Konkurrenz endlich angeregt werden würden, Balzaktivitäten aufzunehmen. Dies entpuppte sich als Trugschluss. Zwar gab es keinerlei Probleme bei der Vergesellschaftung, jedoch waren es eher die Aulonocara, die sich dem scheuen und ängstlichen Verhalten der Lethrinops anpassten.
Ich schaute mir das noch einige Wochen an und beschloss dann, die Lethrinops in ein anderes Becken umzusiedeln. Meine letzte Erklärung für das ängstliche Verhalten war, dass den Lethrinops evtl. der Standort des derzeitigen Beckens nicht gefiel. Es befand sich in der Mitte der Anlage im unteren Regal und jede (Bein-)Bewegung im Raum fand quasi direkt vor diesem Aquarium statt.

Lethrinops
Erst ein ruhiger Standort des Beckens und eine hohe Gruppenstärke
lassen die Männchen von Lethrinops "Rainbow Tanzania" in Farbe erstrahlen

Das neu vorgesehene Heim für die Tiere war zwar mit einer Grundfläche von 120x60 Zentimeter etwas kleiner als das alte, dafür aber an einem etwas ruhigeren Standort. Auch dieses Becken richtete ich mit einer drei bis vier Zentimeter starken Sandschicht und einigen Steinen am Rand ein. Diesmal verzichtete ich allerdings auf eine direkte Beleuchtung, da das Becken durch die Raumbeleuchtung und das nebenstehende Aquarium genügend indirektes Licht abbekommt.
Schon wenige Stunden nach dem Umsetzen der Lethrinops traute ich meinen Augen kaum. Eines der Männchen präsentierte sich tatsächlich in Farbe. Die Flanken waren grün-türkis gefärbt, es zeigten sich außerdem zwischen Kiemendeckel und Schwanzflosse 9 dunkle Querbänder. Direkt hinter den Kiemen über der Brustflosse war ein roter Fleck zu erkennen, der den Tieren wohl ihren Importnamen "Blood Spot" eingebracht hat. Der orange Saum der Rücken- und Afterflosse trat nun stärker hervor, in der Rückenflosse waren zudem orange Flecken zu erkennen.
Unglücklicherweise - wie ich zunächst dachte - machten just zu diesem Zeitpunkt Reparaturarbeiten an einem anderen Becken es notwendig, meine Gruppe 2/5 Aulonocara maylandi zu den Lethrinops zu setzen. Ich nahm mir vor, das andere Becken möglichst schnell wieder in Betrieb zu nehmen und die Aulonocara wieder zurückzusetzen, um die ersten kleinen Erfolge bei den Lethrinops nicht zu gefährden.
Zu meinem Erstaunen blühten diese jedoch trotz der nun sehr hohen Individuenzahl in dem Becken regelrecht auf. Während die Weibchen und die sub-dominanten Männchen zusammen mit den Aulonocara-Weibchen über dem Sand standen, gab es zwischen zwei Lethrinops-Männchen erstmals Revierstreitigkeiten. Die oben geschilderte Färbung der Männchen verstärkte sich noch und wurde intensiver. Zusätzlich färbten sich die ansonsten durchsichtigen unpaaren Flossen und die Brustflossen fast schwarz, so dass die orangen Flecken in der Rückenflosse sowie die Eiflecken in der Afterflosse als leuchtende Punkte hervorstachen. Die beiden Kontrahenten umkreisten sich mit aufgestellten Flossen und standen sich mit drohenden Mäulern gegenüber. Dabei wurde ab und an durch kurzes Vorstoßen ein Angriff simuliert, zu ernsthaften Bisswunden oder ähnlichem ist es jedoch bisher nie gekommen. Das größte Männchen ist in der Zwischenzeit auf gut 14 Zentimeter herangewachsen, die Weibchen sind mit etwa acht Zentimeter doch deutlich kleiner geblieben.

Lethrinops Weibchen
Auch die Weibchen von Lethrinops "Rainbow Tanzania"
zeigen einige kleine, wenig ausgepräte Eiflecken in der Afterflosse

Das dominante Männchen hob regelmäßig in einer Beckenecke nahe eines Steines eine Laichgrube aus. Den Sand schüttete es am Rand auf, so dass rund um die Kuhle kleine Hügel entstanden. In diese Kuhle wurde unter heftigem Schütteln und Aufstellen der Flossen ein laichbereites Weibchen gelockt und in typischer Maulbrütermanier mit kreisenden Bewegungen abgelaicht.
Im Aufzuchtbecken bei etwa 24°C Wassertemperatur entlassen die Weibchen die Jungen nach gut drei Wochen. In den ersten Tagen kümmern sie sich noch um die Jungen und nehmen sie bei drohender Gefahr wieder in den Kehlsack auf. Nach drei bis vier Tagen lässt der Brutpflegetrieb nach und die Jungen werden ignoriert. Die Anzahl der Jungen schwankt nach meinen Erfahrungen je nach Größe des Weibchens etwa zwischen zehn und 30.
Über einige Wochen hinweg laichte das dominante Männchen nun nach und nach mit allen vier Weibchen ab. Ab und an musste er seine Stellung gegen einen der Nebenbuhler verteidigen, zu Verletzungen ist es aber wie schon erwähnt noch nie gekommen. Zieht sich ein Tier aus einem dieser Imponierkämpfe zurück wird es nicht weiter beachtet. Zu wilden Jagden durch das Becken wie von anderen Arten bekannt kommt es ebenfalls nicht.

Lethrinops
Laichbereite Männchen heben eine Laichgrube
aus und versuchen dort hinein ein Weibchen zu locken

Nach etwa drei Monaten ließen die Balzaktivitäten der Lethrinops nach und die Tiere suchten alle wieder den Zusammenhalt in der Gruppe, ohne dass ein offensichtlicher Grund für die Verhaltensänderung erkennbar gewesen wäre. Nur nach dem wöchentlichen Wasserwechsel sieht man die Männchen noch mal kleinere Kämpfe austragen. Ist dies ein Hinweis darauf, dass die Tiere im natürlichen Biotop eine bestimmte Brutsaison haben? Im Aquarium könnte der Bruttrieb durch die neue Umgebung und Vergesellschaftung ausgelöst worden sein. Ich werde das weiter beobachten und bin gespannt, welche Überraschungen meine "Rainbows" mir noch bereiten werden.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass ich die kleinen Lethrinops jedem Interessierten nur ans Herz legen kann. Wichtig scheint mir für die Haltung ein ruhiger Standort des Beckens und eine relativ hohe Gruppenstärke zu sein, da sich die Tiere sonst unsicher fühlen. Sandboden ist für ein Becken mit diesen Arten selbstverständlich, da sie zum einen den ganzen Tag den Grund nach fressbarem durchwühlen und zum anderen die Männchen ihre Laichgruben und -krater im Sand bauen. Die Ernährung mit gutem Granulat- oder Frostfutter stellt nach meinen Erfahrungen kein Problem dar.

Lethrinops
Männchen von Lethrinops "Rainbow Tanzania"

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